Interview mit "Hebalino"
Hebalino,
wie bist du überhaupt erstmals auf Glücksspiel aufmerksam geworden?
Ich hatte nur so ganz gelegentlich mal Casino-Besuche - mit meiner Frau zum
Vergnügen. Ich erkannte schnell, dass da so nichts zu machen ist, und anders
hatte ich keine Ideen. Ich bin kein Spieler. Ich hasse es in ein Casino zu
gehen.
Und wie ist es dann weiter gegangen?
Ich sah vor ca. zehn Jahren ein stattlichen Mann mit sächsischem Dialekt im
MDR-Fernsehen an einem Roulette-Kessel stehen, der nicht nur durch seine
souveräne Art sondern auch mit dem was er tat, mich sehr beeindruckte. Mir war
sofort klar, es muss eine Art Roulette zu spielen geben, die ich vorher
nicht für möglich hielt. Aufgrund dieses TV-Auftrittes kümmerte ich mich
intensiv um diese neue Erkenntnis und es begann ein dreijähriges Studium mit
einem dafür eigens eingerichteten Roulette-Zimmers - ausgestattet mit
Original-Roulette-Kessel inklusive Tisch und Video-Station und Kamera. Praktisch
begannen meine Auftritte vor ca. sechs Jahren.
Immer erfolgreich?
Natürlich nicht - wer dies behauptet ist ein Thor!
Ein eigens eingerichtetes Roulette-Zimmer hatte selbst der sachse nicht.
Ist so etwas aus deiner Sicht nur hilfreich oder heute sogar unabdingbar?
Wenn man es professionell machen will, schon. Ich wohne in einem 280 qm Haus
und hatte die räumlichen Möglichkeiten. Ich hatte vor meinem Roulette-Kessel
eine komplette Videostation installiert und habe jede besondere Coup-Simulation
aufgezeichnet. Nur das half mir später, eine Methode zu finden, die nicht auf
die Duldung des Casino-Personal angewiesen war. Bei mir muss sich der Croupier
nicht nach mir richten.
Eine Frage zur Aufklärung: du bist Kesselgucker, Basieux ist hauptsächlich
Wurfweitenspieler. Was ist da überhaupt der Unterschied?
Kesselgucken ist die Beurteilung des aktuell laufenden Coups. Man sagt immer
so schön: "Live is live". Das trifft es! Wurfweite ist ein Hoffnungsspiel und
der Glaube, einen Croupier gefunden zu haben, der aufgrund seiner
Gleichmäßigkeit in der Produktion des Coup-Ergebnisses Wiederholungen oder Ähnlichkeiten herstellt.
Und welche der beiden Methoden ist Erfolg versprechender?
Keine der beiden Methoden ist Erfolg versprechend - wenn der Akteur seine
Schularbeiten gar nicht oder nur oberflächlich gemacht hat. Ich persönlich halte
von der Wurfweiten-Methode nicht viel, da - aufgrund der dramatisch veränderten
Bedingungen, sowie des neuen Kessel- und Kugelmaterials - die Wurfweite nur noch
in der Theorie - für den unbedarften Betrachter - spannend ist. Kesselgucken
hingegen ist die Königs-Disziplin des Roulette-Spiels. Bekanntlich gibt es ja
auch in der realen Welt, nicht viele Könige.
Sind andere Kesselgucker für dich eigentlich Kollegen oder Rivalen?
Ich respektiere meine Kollegen und sehe sie nicht als Rivalen. Nicht selten,
lasse ich ihnen auch in der Tischwahl den Vortritt. Ich kann jeden Kessel
bespielen.
Auch jeden Kessel mit Gewinn? Sogar der sachse gibt zu, dass ihm bestimmte
Kessel nicht liegen...
Ich richte mich grundsätzlich nicht nach dem Kessel. Ich mache eine Reihe von
Trocken-Coups und sehe, ob meine Prognosen in den Rendite-Bereich kommen oder
von der Streuweite verhagelt werden. Das liegt bei meiner Methode nicht am
Kessel, sondern am Handling des Croupiers. Es gibt Coups, die bekommen an der
Raute noch einmal den zweiten Wind. Ich weis, wie das der Croupier macht, weil
ich es selbst simulieren kann. Da spiele ich lieber nicht. Zarte
Doppelkollisionen sind für meine Methode gefährlich.
Gab es Croupiers, bei denen du nicht spielst und solche, denen du sogar
nach dem Handwechsel zum nächsten Spieltisch folgst?
Es gibt immer Croupiers, die Coups produzieren, die letztlich in eine
unkontrollierbare Streuweite abdriften. Da sollte man lieber sein Pulver trocken
halten. Einem Croupier zu folgen: Nein! Die Berufsgruppe ist von der
Casino-Leitung angehalten, alles zu tun - nur nicht gleichmäßig.
Eine ganz neugierige Frage: Wie hoch war deine höchste Tagesgewinn, was
dein größter Verlust?
Der Interviewer darf alles essen, aber er muss nicht alles wissen. (lacht)
Nun gut, dann anders: Wie viel Kapital benötigst du für dein Spiel?
Für die Operation Roulette, habe ich mir eine sechsstellige Summe
bereitgestellt.
Hast du dich schon einmal an anderen Spielen als Roulette versucht?
Professionell, nur Poker - aber nur aus dem Umstand - aufgrund eines schweren
Treppensturzunfalls - nicht in ein Casino gehen zu können.
Professionell Poker? Dem "professionell" entnehme ich, dass auch
erfolgreich?
Ich habe bei vier großen Poker-Läden lange im Fun-Bereich Turniere und auch
Cash-Games gespielt, um ohne eigenes Geld zu sehen, wie ich mich entwickele. Bei
einem Poker-Casino habe ich erst mit echtem Geld begonnen, als ich 1,5 Millionen
auf meinem Fun-Konto hatte. Ich fing dann auch mit Turnieren in größeren
Buy-In-Bereich an. Bis zu meiner Entscheidung nicht mehr Poker im Internet zu
spielen, konnte ich eine positive finanzielle Bilanz vorweisen.
Betrachtest du deine Casinobesuche als "Arbeit"?
Ja! Es ist ein professioneller Job, ohne leidenschaftliche Begeisterung. Dies
halte ich auch für äußerst gefährlich, denn, man kann schnell in ein Fahrwasser
geraten, wo man die guten Vorsätze außer acht lassen könnte.
Sachse hat ja in zahlreichen Spielbanken Hausverbot. Kannst du so etwas
auch vorweisen?
Nein - ich war eigentlich nie so richtig gierig. Nur einmal, nach
erfolgreichem Spiel, bat mich der Saalchef, dass Casino in der nächsten Zeit,
weiträumig umfahren zu wollen. Halte mich auch nur max. 1 - 3 Rotationen im
Casino auf. Ich trinke und ich esse dort nichts - nach getaner Arbeit bin ich
froh, diese Hallen wieder verlassen zu können.
Was würdest du Neueinsteigern, die zum ersten Mal Roulette spielen,
empfehlen?
Zunächst erst mal klar definieren, welchem Bereich der Akteur seine Sympathie
schenkt. Klassisch oder ballistisch. Aus eigener Erfahrung möchte ich den
klassischen Bereich noch unterteilen in Live-Casino und Internet-Casino.
Natürlich bin ich der Meinung, dass in einem Live-Casino nur das ballistische
Spiel sinnvoll erscheint. Dies näher zu erläutern, würde den Rahmen hier
sprengen.
Wieso ist die Unterteilung in Online-Casino und Live-Casino für dich auch
im klassischen Bereich wichtig?
Dies ist eigentlich mein Steckenpferd: Aus der Logik, heraus: Im Live-Casino
wird der Coup von Menschenhand produziert. Angriff: nur ballistisch - alles
andere bringt Freude in die Gesichter der Casino-Verantwortlichen. Im Internet
wird der Coup von einem Zufallsgenerator produziert. Roulette-Tüftler messen
dieser Erkenntnis aber keinen allzu großen Wertgehalt bei. Deswegen bleiben sie
für mich auch nur Theoretiker. Internet: Hier ist der einzige Ansatzpunkt - wenn
richtig angesetzt wird - wo das klassische Roulette in bestimmten Zeiträumen mit
knallhart begrenztem Kapital - Erfolgerlebnisse erfahren kann.
Und was würdest du Interessierten empfehlen, die zum ersten Mal
Kesselgucken probieren wollen?
Ohne ein intensives Studium des Mediums und die persönliche Prüfung, ob man
überhaupt Talent für diese physikalische Spielweise hat, ist dieses Unterfangen
- vermutlich - zum Scheitern verurteilt.
Gibt es für dich eine Spieler-Ethik?
Na ja, ich respektiere jeden Casino-Gast und auch jeden Akteur wo auch immer,
ich mit ihm, im Thema Roulette, zusammen treffe. Alles andere möchte ich nicht
kommentieren.
Kannst du dir eine Roulette-Lösung auf klassischer Basis vorstellen?
Das Roulette als solches, wird niemand besiegen. Wäre auch fatal. Denn die
Spielbanken würden die Regeln ändern um nicht in wirtschaftliche Gefahren zu
kommen. Roulette-Lösungen - was immer man auch darunter verstehen möchte - gibt
es sicher. Nur sind die meisten Tüftler - auch die, die schlaue Bücher darüber
verfasst haben - keine Praktiker. Um am Roulette-Tisch etwas mitnehmen zu
können, ist es nicht ausreichend, theoretisch alle Facetten zu kennen, man muss
auch den Mut haben - mit klingender Münze - sie in die Tat umzusetzen.
Und du hast diesen Mut. Hebalino, danke für das interessante Gespräch. |